Wer Uhren kauft, stolpert früher oder später über zwei Kürzel: PVD und DLC. Oft werden sie in einem Atemzug genannt, manchmal sogar synonym verwendet. Das ist verständlich, aber technisch falsch. PVD ist ein Verfahren, DLC ist ein Material.

PVD: Nicht die Farbe, sondern der Prozess

PVD steht für »Physical Vapor Deposition«, auf Deutsch physikalische Gasphasenabscheidung.

Querschnitt durch eine PVD‑Vakuumkammer: Uhrengehäuse und Ausgangsmaterial stehen sich im Vakuum gegenüber, der Materialstrom aus Partikeln bildet die spätere Hartstoffschicht.

Querschnitt durch eine PVD‑Vakuumkammer: Uhrengehäuse und Ausgangsmaterial stehen sich im Vakuum gegenüber, der Materialstrom aus Partikeln bildet die spätere Hartstoffschicht.

Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich ein elegantes Prinzip: In einer Vakuumkammer wird ein Ausgangsmaterial, zum Beispiel Titannitrid oder Zirkoniumnitrid, durch Beschuss mit Ionen oder durch Erhitzen in einen gasförmigen Zustand überführt.

Die PVD-Schicht von nur 1–10 Mikrometern ist deutlich dünner als ein menschliches Haar, erhöht aber die Oberflächenhärte des Gehäuses erheblich.

Die PVD-Schicht von nur 1–10 Mikrometern ist deutlich dünner als ein menschliches Haar, erhöht aber die Oberflächenhärte des Gehäuses erheblich.

Die entstandenen Partikel setzen sich dann auf der zu beschichtenden Oberfläche ab und bilden eine extrem dünne, gleichmäßige Schicht. »Dünn« ist dabei keine Untertreibung. Typische PVD-Schichten sind zwischen einem und zehn Mikrometern stark, das entspricht einem Bruchteil eines menschlichen Haars.

Farbpalette der PVD-Beschichtung: Je nach Hartstoff entstehen unterschiedliche Metalltöne von warmem Gold (Titannitrid) über ein helles, leicht gelbliches Finish (Zirkoniumnitrid) bis zu anthrazitfarbenem Chromnitrid und tiefschwarzem PVD.

Farbpalette der PVD-Beschichtung: Je nach Hartstoff entstehen unterschiedliche Metalltöne von warmem Gold (Titannitrid) über ein helles, leicht gelbliches Finish (Zirkoniumnitrid) bis zu anthrazitfarbenem Chromnitrid und tiefschwarzem PVD.

Diese Schichtdicke reicht aus, um dem Gehäuse nicht nur eine neue Farbe, sondern auch eine deutlich erhöhte Oberflächenhärte zu verleihen. Die Farbe des Ergebnisses hängt vom verwendeten Material ab. Titannitrid ergibt das klassische Goldton-Finish, das man von vielen Sportuhren und Taucheruhren kennt. Zirkoniumnitrid liegt zwischen Gold und Silber. Chromnitrid erzeugt dunklere, silbrig-anthrazitene Töne. Mit den richtigen Parametern und Materialien lässt sich im PVD-Verfahren nahezu jede Farbe realisieren, auch das populäre Tiefschwarz.

DLC: Diamant als Vorbild

DLC steht für »Diamond-Like Carbon«, also diamantähnlicher Kohlenstoff. Das Kürzel beschreibt ein Material mit einer amorphen Kohlenstoffstruktur, die in ihrer Härte dem Diamanten ähnelt, ohne dessen kristalline Ordnung zu besitzen. Und auch DLC wird fast immer im PVD-Verfahren aufgebracht, was die Verwechslung zwischen beiden Begriffen erklärt. Der entscheidende Vorteil von DLC ist seine außergewöhnliche Härte.

DLC-Beschichtung im Vergleich: Während ein unbeschichtetes Edelstahlgehäuse bei rund 200 HV liegt, erreicht eine schwarze DLC-Schicht 2.000 bis 3.000 HV und macht die Oberfläche im Alltag nahezu unempfindlich gegen Kratzer

Während ein unbeschichtetes Edelstahlgehäuse bei rund 200 HV liegt, erreicht eine schwarze DLC-Schicht 2.000 bis 3.000 HV und macht die Oberfläche im Alltag nahezu unempfindlich gegen Kratzer

Gewöhnlicher Edelstahl, wie er in den meisten Uhrengehäusen eingesetzt wird, erreicht rund 200 Vickers auf der Härteskala. Eine hochwertige DLC-Beschichtung kann Werte zwischen 2.000 und 3.000 Vickers erzielen, also das Zehnfache bis Fünfzehnfache. Alltagsgegenstände wie Schlüssel, Münzen oder Knöpfe kratzen eine DLC-beschichtete Uhr unter normalen Bedingungen schlicht nicht. DLC-Beschichtungen sind in ihrer Grundform transparent bis dunkelgrau. Das typische mattschwarz vieler Sportuhren, von Taucheruhren bis zu taktischen Zeitmessern, ist häufig das Ergebnis einer DLC-Behandlung. Die Schicht ist dabei so gleichmäßig, dass sie die Oberflächenstruktur des darunter liegenden Metalls vollständig erhält: Polierflächen bleiben glänzend, gebürstete Flanken bleiben gebürstet.

Seiko Diashield: Die unsichtbare Variante

Nicht jede Hartstoffbeschichtung ändert die Optik einer Uhr. Seiko setzt bei vielen seiner Titan-Modelle eine proprietäre Technologie namens Diashield ein, eine transparente Hartstoffschicht, die ebenfalls im PVD-Prozess aufgebracht wird. Das Ergebnis ist ein Gehäuse, das aussieht wie unbeschichtetes Titan, aber deutlich kratzfester ist.

Diashield- und Duratect-Schichten erhöhen die Kratzfestigkeit spürbar, ohne den charakteristischen Look polierter oder gebürsteter Titanoberflächen zu verändern.

Diashield- und Duratect-Schichten erhöhen die Kratzfestigkeit spürbar, ohne den charakteristischen Look polierter oder gebürsteter Titanoberflächen zu verändern.

Branchenkenner schätzen die Vickers-Härte der Diashield-Beschichtung auf rund 500, womit sie klar über dem Basisstahl liegt, aber weit unterhalb echter DLC-Beschichtungen bleibt. Das Konzept ist nicht auf Seiko beschränkt. Citizen verwendet ein ähnliches Verfahren unter der Bezeichnung Duratect. Was beide Technologien verbindet: Sie machen Titan-Gehäuse, die von Natur aus sehr weich und damit kratzanfällig sind, im Alltag deutlich widerstandsfähiger, ohne das typische Erscheinungsbild des Werkstoffs zu verändern.

Das Dilemma jeder Beschichtung

Jede Beschichtung, ob PVD, DLC oder Diashield, teilt eine grundlegende Eigenschaft: Sie sitzt auf dem Basismaterial, ist nicht Teil davon.

Starke Stöße oder Kantenkontakte können die Schicht abspringen lassen – das helle Basismaterial tritt dann sichtbar und oft fleckig hervor.

Starke Stöße oder Kantenkontakte können die Schicht abspringen lassen – das helle Basismaterial tritt dann sichtbar und oft fleckig hervor.

Was das bedeutet, erfahren Uhrenbesitzer spätestens bei der ersten Revision. Normale Edelstahlgehäuse können poliert oder gebürstet werden, um Kratzer zu beseitigen. Ein PVD- oder DLC-beschichtetes Gehäuse nicht: Polieren würde die Beschichtung schlicht abtragen und das blanke Basismaterial freilegen.

Bei unbeschichtetem Stahl lassen sich Kratzer durch Polieren weitgehend entfernen – bei DLC‑ oder PVD‑beschichteten Gehäusen würde Polieren hingegen die dunkle Schicht abtragen und helle Stellen freilegen.

Bei unbeschichtetem Stahl lassen sich Kratzer durch Polieren weitgehend entfernen – bei DLC‑ oder PVD‑beschichteten Gehäusen würde Polieren hingegen die dunkle Schicht abtragen und helle Stellen freilegen.

Zudem ist keine Beschichtung unzerstörbar. Bei starken Stößen oder Kantenkontakten kann die Schicht absplittern oder abplatzen. Das Ergebnis ist dann optisch oft schlimmer als ein einfacher Kratzer auf unbeschichtetem Stahl, weil sich helles und dunkles Material ungleichmäßig abwechseln.

Alle Beschichtungen liegen nur obenauf: PVD, transparente Hartschicht und DLC überziehen das gleiche Basismaterial aus Stahl oder Titan, verändern aber nicht dessen inneren Werkstoff.

Alle Beschichtungen liegen nur obenauf: PVD, transparente Hartschicht und DLC überziehen das gleiche Basismaterial aus Stahl oder Titan, verändern aber nicht dessen inneren Werkstoff.

Wer eine schwarz beschichtete Uhr kauft, sollte sich bewusst sein, dass sie im Laufe der Zeit patiniert, und zwar nicht immer gleichmäßig. Dieser Nachteil führt unmittelbar zur Frage, ob es eine Alternative zur Beschichtung gibt. Die gibt es, und sie stammt aus einem ganz anderen technologischen Ansatz: der Härtung des Materials selbst.

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