In der Uhrenwelt haben Sammler in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung und Einfluss gewonnen. Sie agieren als Bewahrer, Kuratoren und Multiplikatoren einer eigenen Uhrenkultur und haben damit das Interesse der Marken geweckt. Bei Longines ist seit 2019 Daniel Hug als Head of Brand Heritage für das Archiv und das Museum der Marke zuständig.

Die tonneauförmige Uhr im Art Deco Stil aus 18 Karat Gelbgold gehörte Albert Einstein.

Die tonneauförmige Uhr im Art Deco Stil aus 18 Karat Gelbgold gehörte Albert Einstein.

Gemeinsam mit Pierre-André Schmitt haben die beiden gelernten Journalisten (Schmitt bei der Bilanz und Hug bei der NZZ am Sonntag) nun einen erzählerischen Zugang gefunden, die Geschichte der Marke auszubreiten.

Dieses Longines Modell von 1937 ist auf Sternzeit reguliert, deren Tag vier Minuten kürzer ist.

Dieses Longines Modell von 1937 ist auf Sternzeit reguliert, deren Tag vier Minuten kürzer ist.

In sieben Kapiteln machen sie 50 Uhrenmodelle zu den Protagonisten einer Erzählung, die letztendlich einer chronologischen Struktur folgt. Das macht die Lektüre abwechslungsreich; machmal treten bekannte Persönlichkeiten wie Albert Einstein oder Charles Lindbergh in den Vordergrund, dann wieder technische Entwicklungen wie die des beidseitig wirkenden Selbstaufzugs oder der Flyback-Funktion für Fliegerchronographen.

1936 reichte Longines ein Patent ein für einen Chronographen mit zentralem Minutenzähler.

1936 reichte Longines ein Patent ein für einen Chronographen mit zentralem Minutenzähler.

Für letztere hatte Longines am 16. Juni 1936 ein Patent erhalten. So erfährt die Verbindung von Longines mit der Luftfahrt ausführliche Würdigung. Die beachtenswerte Verdienst er Marke bei der Sportzeitmessung blitzen dagegen nur vereinzelt auf. Hier wird das Feld der Konzernschwester Omega überlassen, obwohl auch Longines bei den frühen olympischen Spielen eine wichtige Rolle spielte.

Die Longines Super-Compressor von 1959 ist als »Legend Diver« heute wieder Teil der aktuellen Kollektion.

Die Longines Super-Compressor von 1959 ist als »Legend Diver« heute wieder Teil der aktuellen Kollektion.

Dafür erhält die beeindruckende Erfolgsserie von Longines in der Präzisionsuhrmacherei ein eigenes, wenn ach etwas knappe Kapitel. Die zwischen 1940 bis 1960 besonders populären Chronometerwettbewerben dienten der Marke als Nachweis der Präzisionkompetenz gegenüber Movado, Omega oder Zenith.

Der Longines Schleppzeiger-Chronograph von 1971 mit dem Hochfrequenz-Kaliber 262.

Der Longines Schleppzeiger-Chronograph von 1971 mit dem Hochfrequenz-Kaliber 262.

Das Engagement gipfelte in dem rechteckigen Hochfrequenzwerk Kaliber 360 mit 36.000 Halbschwingungen in der Stunde. Es erreichte nach einer 45-tägigen Prüfung eine Gangabweichung von 0,0 Sekunden am Tag. Offiziell bestätigt vom Oberservatorium in Neuchâtel im Jahr 1966.

Longines führt seit 1867 ein lückenloses Produktionsarchiv, das heute weitgehend digitalisiert ist.

Longines führt seit 1867 ein lückenloses Produktionsarchiv, das heute weitgehend digitalisiert ist.

Mit einem kleinen Seitenblick auf die elektronische Nixie-Uhr finden die beiden Erzähler einen originellen Abschluss, der hoffentlich nur vorläufig ist. Denn beim Leser keimt der Verdacht auf, dass das Archiv und das Museum noch viele interessante Geschichten beherbergt.

Literaturhinweis | Longines – Uhren, die Geschichte schrieben

📖 Titel Longines – Uhren, die Geschichte schrieben
✍️ Autor Pierre-André Schmitt (Text), Daniel Hug (Konzept & Redaktion)
🏢 Verlag Die Gestalten Verlag GmbH und Co. KG
📅 Erscheinungsdatum 15. April 2026
🌍 Sprache Deutsch
📚 Einband Hardcover
📄 Seiten 288
🖼️ Abbildungen ca. 300 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien, teils unveröffentlicht
📐 Format 24,5 × 31,4 Zentimeter
🔢 ISBN (DE) 978-3-96171-714-9
💶 Preis 80,00 Euro | 110 US-Dollar | 69,95 Pfund Sterling

Bei meinen verschiedenen Besuchen bei Longines in St. Imier wurde mir neben dem sehenswerten Museum auch immer voller Stolz die Tür zum Archiv geöffnet: Seit 1832 wird hier jede Uhr, die die Manufaktur verlassen hat, in Registern und Etablissage-Büchern erfasst – mit Seriennummer, Kaliber, Gehäuseangaben, Bestimmungsland und oft sogar dem exakten Auslieferungsdatum. Longines kann für eine Vintage-Uhr nicht nur eine schöne Geschichte erzählen, sondern sie mit originalen Einträgen aus dem Archiv belegen. Ein Schatz, an dem uns dieses Buch jetzt teilhaben lässt.

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