Im Jahr 2000 gründete Gérald Charles Genta die Marke Gérald Charles in Genf.

Gérald Charles Genta (1931-2011) rief die Marke im Jahr 2000 ins Leben.

Gérald Charles Genta (1931-2011) rief die Marke im Jahr 2000 ins Leben.

Die Designlegende, welche die Royal Oak von Audemars Piguet und die Nautilus von Patek Philippe und andere Modelle erschaffen hatte, übertrug das Unternehmen 2003 an die Familie Ziviani.

Franco Ziviani war für den Aufbau von Audemars Piguet in Italien verantwortlich und war langjähriger Vertrauter von Gérald Genta.

Franco Ziviani war für den Aufbau von Audemars Piguet in Italien verantwortlich und war langjähriger Vertrauter von Gérald Genta.

Er blieb bis zu seinem Tod 2011 Chefdesigner der Firma und vermachte ihr sein Archiv von 2000 bis 2011. Ich hatte in München die Gelegenheit zu einem Interview mit dem Präsidenten des Verwaltungsrates, Franco Ziviani.

Zehnvorzwei: Gerald Charles wurde von Gérald Genta gegründet und trägt ein außergewöhnliches gestalterisches Erbe. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen der Bewahrung dieser DNA und der Weiterentwicklung der Marke für eine neue Generation von Sammlern?

Franco Ziviani: Als mir Gerald sein Unternehmen verkaufte, habe ich ihm versichert, sein Erbe zu bewahren. Wir haben viele Designer bei Gerald Charles und vor allem Diego Garcia als unseren Chef-Designer.

Giampaolo, Franco und Federico Ziviani (von links) leiten heute das Geschick der Marke.

Giampaolo, Franco und Federico Ziviani (von links) leiten heute das Geschick der Marke.

Unsere Aufgabe ist es, sowohl seinen Stil zu bewahren, als auch zu modernisieren und fortzuschreiben. Unser Damenmodell, die Mini Maestro beispielsweise ist eine moderne und leichtfüßige Interpretation eines Entwurfes von Gérald Charles Genta, der typischerweise noch voluminöser war.

Die Gerald Charles Mini Maestro basiert auf einem Modell von Gérald Genta.

Die Gerald Charles Mini Maestro basiert auf einem Modell von Gérald Genta.

Aber wir haben die Essenz herausgearbeitet. Ich bin mir ganz sicher, dass auch mein Sohn dieses Erbe bewahren wird. Er lernte Gérald mit sieben Jahren kennen und dieser war wie ein Großvater für ihn.

Die 2005 präsentierte Maestro bewegt sich zwischen Quadrat und Achteck. Sie ist von Franceso Borromini inspiriert, einem italienischen Architekten des Barock.

Die 2005 präsentierte Maestro bewegt sich zwischen Quadrat und Achteck. Sie ist von Franceso Borromini inspiriert, einem italienischen Architekten des Barock.

Zehnvorzwei: Der Markt für unabhängige Luxusuhren ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Was unterscheidet Gerald Charles heute aus Ihrer Sicht am deutlichsten von anderen unabhängigen Manufakturen?

Franco Ziviani: Es gibt ein wirklich große Anzahl an unabhängigen Individualisten. Diese fertigen nur wenige Uhren im Jahr zu sehr hohen Preisen für Sammler, die etwas sehr spezielles wollen. Dann gibt es aber auch Marken, wie H. Moser & Cie. zum Beispiel, die unabhängig sind.

  • Zum 25. Jubiläum präsentierte die Marke eine Springende Stunde.
    Zum 25. Jubiläum präsentierte die Marke eine Springende Stunde.

Das ist unser Anspruch; wir wollen eine Marke sein mit einem kompletten Portfolio, einer vollständigen Kollektion zu bezahlbaren Preisen, mit 30 bis 40 Modellen, darunter Komplikationen und Damenuhren.

Zehnvorzwei: Viele Ihrer Modelle verbinden klassische Uhrmacherkunst mit einer sehr markanten Gehäuseform. Welche Rolle spielt Design heute bei der Kaufentscheidung im Vergleich zu technischer Innovation?

Franco Ziviani: Das Design ist natürlich das erste, was der Liebhaber sieht. Wenn man in die Öffentlichkeit geht, ist das Design eine ganz großer Faktor. Setzt man sich aber mit den uhrmacherischen Aspekten auseinander, spielt das Uhrwerk die entscheidende Rolle. Es ist kein Zufall, dass unsere erstes eigenes Manufakturwerk, das wir im Haus fertigen, ein ewiger Kalender war.

  • Auf der Watches & Wonders 2026 präsentierte Gérald Charles einen ewigen Kalender.
    Auf der Watches & Wonders 2026 präsentierte Gérald Charles einen ewigen Kalender.

Damit unterstreichen wir, dass wir ein Unternehmen mit echter uhrmacherischer Kompetenz sein wollen. Es ist natürlich so, dass Uhrmacherei schwerer zu vermitteln ist als das Design. Das mag traurig sein, aber es ist unsere Aufgabe, für die Uhrmacherei Anerkennung zu finden.

Zehnvorzwei: Wie wollen sie die uhrmacherische Kompetenz bei einer Marke herausarbeiten, die mit dem Namen eines der größten Designer in der Uhrmacherei so eng verbunden ist?

Franco Ziviani: Unsere Vorstellung besteht darin, diese uhrmacherische Kompetenz bei uns zu integrieren. Aber wir kaufen nicht einfach Werke von außen zu. Wie werden eine eigene Produktion einrichten, möglicherweise mit einem Partner, der eng mit uns zusammen arbeitet, was die Investitionen anbetrifft.

  • Das Manufakturkaliber GCA110000 besitzt einen Mikrorotor.
    Das Manufakturkaliber GCA110000 besitzt einen Mikrorotor.

Und wir befinden uns an einem guten Zeitpunkt, denn die Zulieferer stehen unter wirtschaftlichem Druck und wir können unabhängig von der Zustimmung einer Bank entscheiden. Mein Sohn und ich sind in vorangeschrittenen Gesprächen, um solch einen geeigneten Partner zu finden.

Zehnvorzwei: Herr Ziviani, herzlichen Dank für das Gespräch.

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