Beim sogenannten »Grand‑Feu‑Emaille« handelt es sich um eine traditionsreiche Glasurtechnik, bei der auf ein Metallzifferblatt mehrere Schichten Emaillepulver aufgebracht und bei sehr hohen Temperaturen gebrannt werden, was zu einer dauerhaft glänzenden, farbstabilen Oberfläche führt.

A. Lange & Söhne 1815 Tourbillon Platin Emaille Front

Zifferblätter in Grand-Feu-Technik finden überwiegend in hochwertigen Uhrenmodellen Verwendung.

In der Haute Horlogerie gilt sie als Sinnbild für handwerkliche Exzellenz, hohe Ausschussraten und zeitlose Ästhetik.​

Begriff, Name und Ursprung

Der Begriff Grand Feu (»großes Feuer«) beschreibt das Brennen der Emaille im Ofen bei Temperaturen um 800 Grad Celsius und mehr, bei denen das Glaspulver mit dem Metallträger verschmilzt.

Jede aufgetragene Farbschicht muss separat während einer genau festgelegten Dauer mit über 800 Grad im Ofen gebrannt werden.

Jede aufgetragene Farbschicht muss separat während einer genau festgelegten Dauer mit über 800 Grad im Ofen gebrannt werden.

Anders als Lack oder galvanische Beschichtungen entsteht eine echte Glasoberfläche, die chemisch inert, farbecht und äußerst alterungsbeständig ist. Das Wort Emaille selbst geht sprachhistorisch auf Begriffe zurück, die mit »Schmelzen« verwandt sind und die Verschmelzung von Glas und Metall benennen.

Historische Entwicklung in der Uhrmacherei

Emaille ist als Kunsthandwerk deutlich älter als die Uhr und findet sich bereits in antiken Schmuck‑ und Kultobjekten, bevor es in der Renaissance in Europa verbreitet wird.

Eine Taschenuhr aus der Manufaktur von Jean-Françoise Bautte mit blauer Emaille und Perlen.

Eine Taschenuhr aus der Manufaktur von Jean-Françoise Bautte mit blauer Emaille und Perlen.

In der Uhrmacherei setzt sich Emaille ab dem 16./17. Jahrhundert vor allem an Taschenuhren durch, zunächst an reich verzierten Gehäusen und später als Zifferblattmaterial. Genf entwickelt sich dabei zu einem führenden Zentrum emaillierter Uhren, dessen Tradition in der modernen Genfer Haute Horlogerie fortlebt.

Technik des Grand‑Feu‑Zifferblatts

Ausgangspunkt ist ein Metallrohling, meist aus Kupfer oder Silber, der gereinigt und oft beidseitig emailliert wird, um Spannungen zu reduzieren. Auf die Vorderseite wird fein vermahlenes Emailpulver aufgestreut oder in wässriger Suspension aufgetragen, oftmals in mehreren dünnen Schichten.

Das Farbpulver aus gemahlenem Siliziumoxid und Oxiden wird gemahlen und mit Wasser angerührt.

Das Farbpulver aus gemahlenem Siliziumoxid und Oxiden wird gemahlen und mit Wasser angerührt.

Jede Schicht wird im Ofen gebrannt, sodass das Pulver glasig schmilzt, sich mit dem Metall verzahnt und nach dem Abkühlen eine harte, glänzende Oberfläche bildet. Zwischen den Bränden wird die Oberfläche geschliffen, Unregelmäßigkeiten werden entfernt, weitere Lagen folgen, bis der gewünschte Aufbau und die typische optische Tiefe erreicht sind.

Temperaturfenster, Risiko und Ausschuss

Charakteristisch für Grand‑Feu‑Email ist ein enges Temperaturfenster: Wird zu kalt gebrannt, verbindet sich das Emaille nicht homogen mit dem Träger, wird zu heiß gebrannt, drohen Blasen, Verfärbungen oder Risse.

Der Metallrohling aus Messing oder Silber wird oft beidseitig emailliert, um Spannungen zu vermeiden.

Der Metallrohling aus Messing oder Silber wird oft beidseitig emailliert, um Spannungen zu vermeiden.

Mit jeder zusätzlichen Schicht steigt das Risiko, dass das bereits erstarrte Emaille erneut in Spannung gerät oder sich das Metall verzieht. Schon kleine Abweichungen bei Temperaturführung, Brenndauer oder Abkühlung können das Zifferblatt unbrauchbar machen – entsprechend hoch ist der Ausschuss, was die Kosten erklärt.

Varianten rund um Grand Feu

Grand Feu bezeichnet zunächst die Brennart, lässt sich aber mit unterschiedlichen dekorativen Techniken kombinieren. Champlevé‑Emaille füllt gravierte Vertiefungen im Metall mit Emaille und erzeugt nach Politur eine plane, reliefartige Zeichnung.

Dünne Gold‑ oder Metalldrähte werden als Stege (»Cloisons«) auf die Metallbasis aufgelötet bilden geschlossene Zellen und mit verschiedenfarbiger Emaille gefüllt.

Dünne Gold‑ oder Metalldrähte werden als Stege (»Cloisons«) auf die Metallbasis aufgelötet und mit verschiedenfarbiger Emaille gefüllt.

Cloisonné‑Emaille nutzt aufgelegte Gold‑ oder Metalldrähte, die feine Zellen bilden, die anschließend mit farbiger Emaille gefüllt und gebrannt werden – ein Verfahren, das vor allem für figürliche oder kartografische Motive genutzt wird. Hinzu kommen Techniken wie die Genfer Emaille, bei der eine transparente Deckschicht dem Motiv zusätzliche Tiefe und Glanz verleiht.

Ästhetik und Dauerhaftigkeit

Ein gelungenes Grand‑Feu‑Zifferblatt erkennt man an der glasartigen Tiefe, einer homogenen, leicht gewölbt wirkenden Oberfläche und an der intensiven Farbsättigung, insbesondere bei Weiß, Blau und Pastelltönen.

Das Zifferblatt erhält den Farbverlauf in zwölf Schritten im Grand-Feu-Emaille-Verfahren.

Ein Zifferblatt im Grand-Feu-Emaille-Verfahren erhält seinen Auftrag in vielen einzelnen Schritten.

Der Glanz wirkt »nass« und bleibt auch nach Jahrzehnten weitgehend unverändert, da Glasemail nicht vergilbt, nicht oxidiert und nur mechanisch – etwa durch Schlag oder starken Druck – beschädigt werden kann. Historische Taschenuhren mit Grand‑Feu‑Zifferblättern zeigen, dass diese Oberflächen bei sorgfältiger Behandlung auch nach Jahrhunderten noch erstaunlich frisch wirken.

Moderne Rolle und Namensverwendung

In der zeitgenössischen Uhrmacherei ist Grand‑Feu‑Email vor allem im oberen Preissegment anzutreffen, da der handwerkliche Aufwand und der Ausschuss nur bei entsprechend kalkulierten Stückpreisen wirtschaftlich sind. Traditionsmarken nutzen klassische weiße oder farbige Emailzifferblätter, um an historische Vorbilder anzuknüpfen, während Métiers‑d’Art‑Linien mit Miniaturmalerei und Cloisonné‑Motiven die Emailletechnik als künstlerische Leinwand einsetzen.

  • Dünne Gold‑ oder Metalldrähte werden als Stege (»Cloisons«) auf die Metallbasis aufgelötet und mit verschiedenfarbiger Emaille gefüllt.
    Dünne Gold‑ oder Metalldrähte werden beim Cloisonné-Verfahren als Stege (»Cloisons«) auf die Metallbasis aufgelötet und mit verschiedenfarbiger Emaille gefüllt.

Der Ausdruck »Grand Feu Emaille« dient im Marketing zunehmend als Abgrenzung gegenüber einfacheren, oft nur lackierten »Emaille‑Zifferblättern«; seriöse Hersteller verstehen darunter ausschließlich mehrfache Hochtemperaturbrände von echter Glasemail auf Metall.

Diesen Beitrag teilen: