Mit einem leeren Blatt Papier hat alles begonnen: IWC Schaffhausen präsentiert auf den Watches and Wonders 2026 in Genf mit der Pilot’s Venturer Vertical Drive (Ref. IW328601) die erste Uhr, die IWC Schaffhausen von Grund auf für die Anforderungen der bemannten Raumfahrt konzipiert hat – zertifiziert durch den Partner Vast, der die erste kommerzielle Raumstation Haven-1 entwickelt und 2027 in den Orbit bringen will.
Ohne Krone in den Orbit
Die größte konstruktive Herausforderung war die Bedienbarkeit mit Handschuhen: Astronauten im Raumanzug können keine Krone betätigen.
Das Ingenieurteam XPL löste dieses Problem mit einem zum Patent angemeldeten rotierenden Lünettensystem, das alle Funktionen der Uhr zugänglich macht – vollständig ohne Krone. Die Bewegungen der Lünette werden über ein Kupplungssystem, den namensgebenden Vertical Drive, auf die Aufzugswelle übertragen. Ein Kipphebel an der Flanke des Gehäuses schaltet zwischen den Funktionen um: Aufziehen des Werks sowie Einstellen der Heimat- oder Missionszeit. Das Aufzugssystem ist hybrid ausgelegt – der integrierte Rotor des Automatikwerks und das Drehen der Lünette entgegen dem Uhrzeigersinn arbeiten gleichberechtigt nebeneinander, was sowohl auf der Erde als auch in der Schwerelosigkeit einen zuverlässigen Aufzug sicherstellt.
Zwei Zeitzonen für 16 Sonnenuntergänge am Tag
Dass die Pilot’s Venturer Vertical Drive eine GMT-Funktion beherrscht, ist für eine Astronautenuhr kein Luxus, sondern Notwendigkeit: Eine Raumstation umrundet die Erde in etwa 90 Minuten – das entspricht bis zu 16 Sonnenauf- und -untergängen pro Tag.
Als gemeinsame Zeitbasis dient GMT beziehungsweise UTC. Die Missionszeit wird über den zentralen Stunden- und Minutenzeiger sowie über einen dedizierten 24-Stunden-Zeiger angezeigt, dessen Skala von 00:00 bis 24:00 reicht. Der Stundenzeiger ist zusätzlich in Einerstundenschritten verstellbar, um die Heimatzeit einzustellen; ergänzt wird die Anzeige durch ein Datum bei drei Uhr. Die Kanten der schwarzen Dreieckszeiger tragen grünes Super-Luminova; die pfeilförmige Spitze des 24-Stunden-Zeigers leuchtet blau.
Keramik, Ceratanium und der Test auf 10 g
Das Gehäuse der Pilot’s Venturer Vertical Drive ist aus weißem Zirkoniumoxid-Keramik gefertigt; Lünette und Gehäuseboden bestehen aus Ceratanium – dem von IWC entwickelten Werkstoff, der die Leichtigkeit von Titan mit der Kratzfestigkeit von Keramik vereint. Die Wasserdichtheit beträgt zehn Bar, das entspricht dem statischen Prüfdruck von 100 Metern Tiefe.
Die Belastungsprofile, denen Vast die Uhr im Rahmen der Flugqualifikation unterzog, gehen weit darüber hinaus: Beim Raketenstart erleben Astronauten Beschleunigungskräfte von bis zu vier g; die Pilot’s Venturer Vertical Drive wurde mit bis zu 10 g getestet. Hinzu kommen Vakuum, Strahlung und extreme Temperaturschwankungen – von über 100 Grad Celsius im direkten Sonnenlicht bis zu minus 150 Grad Celsius im Schatten.
Kaliber 32722: fünf Tage Gangautonomie für die Mission
Herzstück ist das hauseigene Kaliber 32722, ein Automatikwerk mit integriertem GMT-Modul und einer Gangautonomie von 120 Stunden – mehr als fünf Tage, was auch bei erschwertem Aufziehen ausreichend Reserve bietet. Das Kaliber arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und ist mit 21 Lagersteinen bestückt. Das gewölbte Saphirglas ist beidseitig entspiegelt. Die IWC Pilot’s Venturer Vertical Drive (Ref. IW328601) wird an einem weißen Kautschukband mit einer Dornschließe aus Ceratanium getragen.
Technische Spezifikationen | IWC Schaffhausen Pilot’s Venturer Vertical Drive
| ⌚ Gehäuse | Weißes Zirkoniumoxid-Keramik, Ceratanium-Lünette und -Gehäuseboden – Durchmesser 44,3 Millimeter – Bauhöhe 16,7 Millimeter |
| 💧 Wasserdichtheit | 10 Bar, das entspricht dem statischen Prüfdruck von 100 Metern Tiefe |
| 🔍 Glas | Gewölbtes Saphirglas mit beidseitiger Entspiegelung |
| 📊 Anzeige | Stunden, Minuten, Sekunden – 24-Stunden-Anzeige (00:00–24:00) – Datum bei 3 Uhr – zweite Zeitzone (Stundenzeiger einstellbar) |
| 💡 Leuchtmittel | Super-Luminova – Zeiger und Indizes |
| ⚙️ Aufzug | Automatikaufzug – hybrid: Rotor und Lünette (Vertical Drive) |
| 🔩 Kaliber | IWC-Manufakturkaliber 32722 mit GMT-Modul |
| 📡 Frequenz | 28.800 Halbschwingungen pro Stunde – 4 Hertz |
| ⏱️ Gangautonomie | 120 Stunden |
| 💎 Lagersteine | 21 Lagersteine |
| 🪢 Band | Weißes Kautschukband – Dornschließe aus Ceratanium |
| 🔢 Referenz | IW328601 |
| 💶 Preis | 28.600 Euro |
Die Reaktionen waren deutlich: Auf einer Presseveranstaltung in München durfte ich die neue Weltraumuhr vorab schon einmal in Händen halten. Und alle anwesenden Journalisten war die Erleichterung anzumerken. Endlich keine der immer wiederkehrenden Neuauflagen historischer Modelle aus dem Archiv, sondern ein mutiger neuer Entwurf, der in die nahe Zukunft gerichtet ist. Ich bin gespannt, ob diese Euphorie auch auf der Watches and Wonders und danch ansteckend ist.




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