Am 14. Juni 2026 ist mit Philippe Stern der Ex-Präsident von Patek Philippe verstorben. Unter seiner Präsidentschaft wurde die Manufaktur, welche er in der dritten Generation führte, zur heute zu jener Uhrenmarke, deren Produkte heute unumstritten die Spitze der Uhrmacherei darstellen.
Philippe Stern wurde 1938 geboren und trat 1966 in die Genfer Manufaktur ein, nachdem er zuvor für die familieneigene Henri Stern Watch Agency in New York tätig gewesen war. 1977 übernahm er von seinem Vater Henri Stern die Unternehmensführung — zu einem denkbar schwierigen Zeitpunkt: Die Quarzkrise hatte die Schweizer Uhrenindustrie erschüttert, zahlreiche Traditionsmarken standen vor dem Ruin. Da verantwortete er die Einführung der Nautilus Referenz 3700. Gérald Genta hatte das Bullauge-inspirierte Design auf einer Restaurantserviette skizziert. Der Handel war über eine Uhr aus Edelstahl zum Preis einer Golduhr konsterniert, die Kunden zögerlich. Stern verteidigte sie mit dem Satz: »Sie lässt sich genauso gut mit einem Taucheranzug wie mit einem klassischen Abendanzug tragen.«
Nautilus erschloss eine völlig neue, jüngere und sportlichere Käufergruppe, ohne die Stammklientel zu verlieren. Erst im Rückblick der 1980er Jahre, als mechanische Uhren wieder an Prestige gewannen, offenbarte sich das visionäre Kalkül dahinter. In dieser Phase drosselte Stern bei steigender Nachfrage die Produktion und dünnte das Händlernetz systematisch aus. Die Belegschaft wuchs in dieser Periode von rund 300 auf über 600 Mitarbeiter, aber die Stückzahlen wurden strikt limitiert.
Zum 150. Geburtstag der Manufaktur im Jahr 1989 präsentierte sie die hochkomplexe Taschenuhr Calibre 89 als Jubiläumsuhr, die lange als komplizierteste tragbare Uhr der Welt galt. Damit betonte Philippe Stern, welche Bedeutung er dem Erbe an mechanischen Komplikationen zurechnete.
Formal wurde Philippe Stern erst 1993 zum Präsidenten ernannt, nachdem er die operative Führung bereits seit 1977 innehatte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Produktionsstandorte noch auf mehrere Genfer Standorte verteilt. Unter Philippes Führung wurden alle Produktionsstätten in einem Neubau im Genfer Vorort Plan-les-Ouates zusammengeführt.

Das Patek Philippe Museum beherbergt historische Uhren vom 16. bis frühen 19. Jahrhundert sowie die vollständige Patek Philippe Kollektion seit 1839.
Nach Auszug der Produktion nach Plan-les-Ouates wurde das historische Gebäude an der Rue des Vieux Grenadiers 7 zwischen 1999 und 2001 vollständig renoviert und um ein Stockwerk erweitert. Im November 2001 öffnete das Patek Philippe Museum. Es beherbergt Philippes persönliche Sammlung historischer Zeitmesser. Das Museum überführte die Marke aus dem rein kommerziellen in den kulturellen Raum. Patek Philippe positionierte sich nicht als Luxusgüterproduzent, sondern als Hüterin eines handwerklichen Erbes — mit Zugang für die Öffentlichkeit.
Nach zwei Jahren Totalsanierung eröffnete Patek Philippe im November 2006 den historischen Salon an der Rue du Rhône neu. Der Salon ist der einzige Ort weltweit, an dem die gesamte aktuelle Kollektion zu sehen ist.
Im Frühjahr 2009 ersetzte Stern das traditionsreiche Genfer Siegel (Poinçon de Genève) durch ein eigenes Qualitätszertifikat: das Patek Philippe Siegel. Es gilt für alle mechanischen Werke und umfasst strengere Standards als das staatliche Pendant — inklusive einer in der Branche einzigartigen Serviceverpflichtung: die garantierte Restauration aller Uhren seit Gründungsjahr 1839. Im selben Jahr übergab Philippe Stern die Präsidentschaft an seinen Sohn Thierry. Der Markenwert des Unternehmens resultiert aus Knappheit, Handwerk, Geschichte und familiärer Unabhängigkeit.
Mit Philippe Stern verliert die Uhrenindustrie eine prägende Persönlichkeit. In den Jahren seines Wirkens las Präsident hat er nicht nur Patek Philippe zu einer überragenden Manufaktur geformt, sondern durch seine Sammelleidenschaft und das Museum der Öffentlichkeit vor Augen geführt, um welches Kulturgut es sich bei Uhren handelt. Bei unseren wenigen Begegnungen hat mich seine ungekünstelte Bescheidenheit immer am meisten beeindruckt. Der Familie, den Mitarbeitern und allen Freunden der Marke gilt meine aufrichtige Anteilnahme.







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