Die Wurzeln von Tutima Glashütte liegen im wirtschaftlichen und technologischen Strukturwandel der deutschen Uhrenindustrie nach dem Ersten Weltkrieg. Die aus einem Sanierungsfall heraus entstandene Manufaktur mit wechselvoller Geschichte hat daraus ein eigenständiges Profil entwickelt. 2027 feiert sie ihren hundertsten Geburtstag. Glashütte, der Ort südlich von Dresden, spielt für die deutsche Uhrmacherei eine herausragende Rolle.
Nach 1918 gerät dieses Zentrum jedoch unter Druck: Die Welt bewegt sich von der Taschenuhr zur Armbanduhr, industrielle Gebrauchsuhrwerke kommen zunehmend aus der Schweiz – Glashütte droht den Anschluss zu verlieren. In dieser Lage entsteht 1918 die Deutsche Präzisionsuhrenfabrik Glashütte e.G.m.b.H., kurz DPUG.
Der Beginn einer industriellen Fertigung scheitert im ersten Anlauf
Die Genossenschaft sollte präzise, aber bezahlbare Uhren im industriellen Maßstab ermöglichen und neue Käuferschichten erschließen. Das Vorhaben war ambitioniert, scheiterte jedoch an Inflation, Währungskrise und einbrechender Nachfrage. 1925 wurde die DPUG stillgelegt; ihre Konkursmasse wurde zum Ausgangspunkt für das, was später Tutima werden sollte.
Aus diesen Resten entstehen Mitte der 1920er-Jahre zwei neue Gesellschaften: die Uhren-Rohwerke-Fabrik AG (UROFA) und die Uhrenfabrik Glashütte AG (UFAG). Ihre Aufgabe besteht darin, Glashütte organisatorisch und technisch auf die Armbanduhr umzustellen und die Fertigung effizienter zu strukturieren.
An diesem Punkt betritt Dr. Ernst Kurtz die Bühne. Der Jurist wird von der Landesgirokasse Sachsen nach Glashütte geschickt, um die angeschlagene Uhrenindustrie am Ort zu sanieren und aus der gescheiterten Genossenschaftsstruktur eine überlebensfähige Einheit zu formen.
Der Name Tutima bezeichnet eine besondere Güteklasse
Kurtz ist kein Uhrmacher, aber ein präziser Organisator. Er reorganisiert Produktion und Abläufe, treibt industrielle Effizienz voran – und schafft zugleich eine eigene Qualitätsstufe innerhalb des neu geordneten Verbunds.
Die besten Uhren aus dieser Fertigung kennzeichnet er mit einem neuen Namen: Tutima. Das Kunstwort leitet sich vom lateinischen tutus ab – sicher, geschützt – und formuliert damit von Beginn an den Anspruch der Marke: technische Zuverlässigkeit als Kernversprechen. Tutima ist somit kein klassischer Gründungsentwurf, sondern das Qualitätssiegel einer neu geordneten Glashütter Armbanduhrenproduktion, die aus der Konkursmasse der DPUG hervorgegangen ist.
Tutima fertigt einen Fliegerchronographen
Ende der 1930er-Jahre verdichtet sich das Profil der jungen Marke in einem Werk: dem Fliegerchronographen-Kaliber 59. Der historische Zwei-Drücker-Chronograph mit Breguet-Spirale und Flyback-Funktion – bei Tutima unter dem Namen »Tempostopp« geführt – wird zum Standardchronographen der Luftwaffe und zu einem der wenigen originären deutschen Fliegerchronographenwerke dieser Zeit.
Technisch und kulturell markiert es den Moment, in dem aus einer sanierten Produktionsstruktur eine Marke mit eigenem Charakter wird. Der Zweite Weltkrieg unterbricht diese Entwicklung gewaltsam. Kurz vor der Zerstörung Glashüttes durch Bombenangriffe verlässt Dr. Kurtz mit Teilen der Belegschaft, Werkkomponenten und Gehäusen die Stadt.

Dieter Delecate übernahm 1960 die Tutima‑Fabrikation und führte Tutima Jahrzehnte später als eigenständige Manufaktur nach Glashütte zurück.
Tutima überlebt in der Folge als verlagerte Marke, zunächst an wechselnden Standorten, schließlich mit neuem Zentrum in Ganderkesee in Niedersachsen. Dort führt das Unternehmen seine Chronographentradition in der Nachkriegszeit fort. 1960 übernimmt der frühere Kurtz‑Mitarbeiter Dieter Delecate die Tutima‑Fabrikation; 1970 lässt er den Namen »Tutima« als Marke eintragen und firmiert fortan als Tutima Uhrenfabrik GmbH.
Wieder kommt ein Fliegerchronograph ins Spiel
Ein Schlüsselmoment der jüngeren Geschichte folgt 1984: Tutima gewinnt die Ausschreibung für einen neuen Dienstchronographen der Bundeswehr-Luftwaffe. Der daraus hervorgegangene Bundeswehrchronograph, später oft als NATO-Fliegerchronograph bezeichnet, knüpft an die historische Kompetenz der Marke im Bereich funktionaler Fliegerinstrumente an.
Mit der Rückkehr nach Glashütte im Jahr 2008 schließt sich ein Kreis. Tutima positioniert sich als unabhängige, familiengeführte Manufaktur, die wieder in eigene Werke investiert und damit die Glashütter Werkästhetik sichtbar macht.
Die erste Glashütter Armbanduhr mit Minutenrepetition
2011 präsentiert die Marke mit der »Hommage« eine Minutenrepetition – ein Handaufzugswerk, das Stunden, Viertelstunden und Minuten akustisch auf Tonfedern schlägt.
Damit zeigt Tutima, dass die Marke nicht nur Instrumentenuhren beherrscht, sondern auch den Schritt in die deutsche Hochkomplikation vollziehen kann. 2017 folgt mit dem Kaliber T659 ein moderner Chronograph mit Flyback-Funktion, der ausdrücklich auf das historische Kaliber 59 verweist und die Tempostopp-Idee in die Gegenwart überträgt.
Parallel dazu entwickelt Tutima seine klassische Seite weiter. Vor allem die Patria-Linie zeigt, dass sich die Marke nicht auf Flieger- und Toolwatches reduzieren lässt. Hier treten typische Glashütter Merkmale in den Vordergrund: die Dreiviertelplatine, verschraubte Goldchatons, polierte Schrauben und eine Finissierung, die sich klar auf die sächsische Uhrmachertradition bezieht. Seit 2025 erscheint die Patria teils auch in Titan Grade 5 – eine bemerkenswerte Verbindung aus klassischer Gestaltung und modernem Materialverständnis, passend zum Thema Titan.
Seit Anfang 2025 steht mit Matthias Stotz ein Uhrmachermeister an der Spitze der Manufaktur, der bereits bei Junghans Erfahrung in der Sanierung und Neuaufstellung einer Traditionsmarke gesammelt hat.

Der Tutima M2 Chronograph mit zentralem Minutenzähler ist die offizielle Dienstuhr der Bundeswehrpiloten.
Damit schließt sich der Bogen von der aus der Krise geborenen Genossenschaftsstruktur bis zur heutigen Kollektion einer unabhängigen Glashütter Manufaktur: Tutima verbindet robuste Flieger- und Toolwatches, wie sie aus der Tradition von Kaliber 59 und NATO-Fliegerchronograph gewachsen sind, mit fein ausgearbeiteten Manufakturmodellen, allen voran der Patria-Linie in klassischer Glashütter Ästhetik.
Ergänzt um alltagstaugliche, dezent sportliche Allrounder entsteht ein Portfolio, das auf klare Funktion, sichtbare technische Substanz und eine Geschichte setzt, die sich vom Zifferblatt bis ins Werk hinein nachvollziehen lässt.
Technische Spezifikationen | Tutima Patria 6612
| ⌚ Gehäuse | Titan Grade 5, poliert; Durchmesser 41 Millimeter, Bauhöhe 11,2 Millimeter |
|---|---|
| 💧 Wasserdichtheit | 5 Bar, das entspricht dem statischen Prüfdruck von 50 Metern Tiefe |
| 🔍 Glas | Gewölbtes Saphirglas, beidseitig entspiegelt (1,3 Millimeter) |
| 🕐 Anzeige | Stunden, Minuten, kleine Sekunde |
| 💡 Leuchtmittel | Super-Luminova (weiß; blaue Nachtsichtbarkeit) |
| 🔄 Aufzug | Handaufzug |
| ⚙️ Kaliber | Tutima 617, 171 Teile; freischwingende Unruh mit handgebogener Breguet-Spirale |
| ⏱️ Frequenz | 21.600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hertz) |
| 🔋 Gangautonomie | 65 Stunden |
| ✨ Veredelung | Dreiviertelplatine mit Glashütter Riffelung (handriffeliert), Anglierung per Hand, polierte Schrauben, verschraubte Goldchatons |
| 🪢 Band | Handgenähtes Kalbslederband (schwarz, Ref. 6612-01) oder Schaflederband (graphitgrau, Ref. 6612-03; hellbraun, Ref. 6612-05); Titan-Dornschließe |
| 🔢 Referenz | 6612-01, 6612-03, 6612-05 |
| 💶 Preis | 8.600 Euro |




















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