Wenn das Buch »Exceptional Watches« von Clément Mazarin sanft aus dem Schuber gleitet, fällt zunächst die buchmacherische Sorgfalt auf, mit der es gefertigt wurde.

Das aufwändig gestaltete Buch »Exceptional Watches« wird in einem schwarzen Schuber mit silberfarbener Prägung geliefert.

Das aufwändig gestaltete Buch »Exceptional Watches« wird in einem schwarzen Schuber mit silberfarbener Prägung geliefert.

Das betrifft auch die drucktechnische Qualität, die Wahl des Papiers, die Feinheit der Grafiken, das detaillierte Layout und die Ästhetik der ganzseitigen Fotografien des Still-Life-Experten Henry Leutwyler. Aber auch inhaltlich mag der Ansatz überzeugen. Eine vorgeschaltete Zeitleiste verdeutlicht die Konzentration auf die Geschichte der Armbanduhr von der Santos aus dem Jahr 1904 bis zur Moonswatch von 2022. Das kurze erste von zwölf Kapiteln erläutert mit fein gestalteten Grafiken die Entwicklung der Zeitmessung und den Aufbau einer mechanischen Uhr.

  • Diese Chronographen, Referenz 3525 aus den 1940er Jahren erzielten Auktionsergebnisse bis in den sechsstelligen Bereich.
    Diese Chronographen, Referenz 3525, aus den 1940er Jahren erzielten Auktionsergebnisse bis in den sechsstelligen Bereich.

Das nächste Kapitel über mechanische Uhren ist in Modelle mit Handaufzug und Automattik aufgeteilt. Es folgen Chronographen, Taucheruhren, Komplikationen, Sportuhren und mit dem Kapitel Quarzuhren schließt sich mit einem ironischen Augenzwinkern der Kreis. Beginnt das Buch mit der Mickey Mouse-Uhr von Ingersoll aus dem Jahr 1933, schließt es auch mit der Mickey-Mouse-Ausgabe von 2018, welche Swatch zum 90. Geburtstag der Comic-Figur gemeinsam mit Damian Hirst auflegte. Limitiert auf 1.999 Exemplare, ist sie heut ein gesuchtes Sammlerstück. Ebenso wie die Seiko Worldtimer mit ihren beiden LCD-Anzeigen von 1979.

  • Lange dominierte der Name des Juweliers das Zifferblatt. Erst Rolex setzte auf die eigene Marke. Heute sind Uhren mit zwei Namen gesuchte Sammler-Objekte.
    Lange dominierte der Name des Juweliers das Zifferblatt. Erst Rolex setzte auf die eigene Marke. Heute sind Uhren mit zwei Namen gesuchte Sammler-Objekte.

Eine zeigt digital die Uhrzeit, die andere grafisch die Zeitzonen. Den besonderen Charme entwickelt diese Sammlung aber durch die abgebildeten Uhrenmodelle selbst. Die Fotos sind nicht den hochglanzpolierten Bilddatenbanken der Hersteller entliehen: Vielmehr sind es Uhren von Freunden oder befreundeten Händlern des Autoren, die ganz offensichtlich gelebt haben. Manch tiefer Kratzer und Patina zeugen davon, dass sie in Würde gealtert sind. Kenner der Materie werden das eine oder andere Modell vermissen, aber das ist nicht der Anspruch des Buches. Es vermittelt auf charmante Art und Weise, welche Freude das Sammeln von Uhren bereiten kann.

Exceptional Watches – From the Rolex Daytona to the Casio G-Shock, Clément Mazarin, Hardcover im Schuber, englisch, 232 Seiten mit 400 Abbildungen, 20,30 mal 29.21 Zentimeter, ISBN 978-1784729448, Octopus Publishing, 69,95 Euro

Die Uhren in diesem Buch sind alt, aber sie werden uns überleben. Die erklärte Absicht des Autoren ist es, den Leser auf eine Reise mitzunehmen. Es gibt viele gute Gründe, Uhren nicht zu lieben, wie es im Vorwort heißt. Aber die Lektüre des Buches macht einem klar, dass von diesen keiner wirklich Sinn macht. Dieser leichte Tonfall durchzieht das gesamte Buch, ohne die Liebe zum Detail vermissen zu lassen. Mich überzeugt die sehr persönlich gehaltene Auswahl der präsentierten Modelle. Eine deutschsprachige Ausgabe wäre ein verdienstvolles verlegerisches Projekt.

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