Das 1973 gegründete Prüfinstitut COSC (Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres) nimmt den 50. Geburtstag der Chronometer-Norm ISO 3159 zum Anlass, mit dem Excellence Chronometer einen neuen Prüfstandard einzuführen.

Der neue Standard baut auf dem Test der Uhrwerke nach ISO 3159 auf.

Der neue Standard baut auf dem Test der Uhrwerke nach ISO 3159 auf.

Dieser setzt auf der bekannten COSC-Chronometerprüfung auf und ergänzt sie um verschärfte Gangtoleranzen, eine definierte Magnetfeldresistenz und eine verifizierte Gangautonomie. Der zertifizierte Uhrwerkstest nach ISO 3159 dauert 15 Tage und legt den Fokus auf Ganggenauigkeit des Uhrwerks in verschiedenen Lagen und Temperaturen.

Eine Atomuhr dient als Referenz bei der Chronometer-Prüfung.

Eine Atomuhr dient als Referenz bei der Chronometer-Prüfung.

Bei der Prüfung als COSC Excellence Chronometer kommen fünf zusätzliche Tage hinzu, während derer die komplette Uhr einer systematischen, robotergestützten Tragesimulation unterzogen wird. Zusätzlich wird sie auf eine Magnetfeldresistenz bis 200 Gauss geprüft, bei welcher der Gang unverändert bleiben muss. Auch die akzeptierte Gangtoleranz ist noch einmal verschärft. Mit dem COSC Excellence Chronometer reagiert die COSC auf die Bestrebungen von Uhrenmarken, sich mit strengeren Testkriterien von den etablierten Chronometer-Prüfungen abzuheben.

Die Mitarbeiter der COSC zertifizieren über zwei Millionen Uhrwerke im Jahr als Chronometer.

Die Mitarbeiter der COSC zertifizieren über zwei Millionen Uhrwerke im Jahr als Chronometer.

So initiierte Omega im Jahr 2015 gemeinsam mit dem Eidgenössischen Institut für Metrologie (METAS) das »Master Chronometer«. Auch Tudor unterzieht einen Teil seiner Uhren mittlerweile diesem Prüfverfahren, das sich an eine zuvor bestandene COSC-Chronometerprüfung anschließt. Vorreiter war allerdings die Tudor-Mutter Rolex. Sie prüft ihre Uhren bereit seit den 1950er Jahren mit dem »Superlative Chronometer« zusätzlich zu den Kriterien der COSC mit engeren Parametern. Ich habe die verschiedenen Prüfverfahren und Toleranzen in dieser Tabelle zusammengefasst:

Aspekt Chronometer (COSC / ISO 3159) COSC Excellence Chronometer Master Chronometer (METAS) Rolex Superlative Chronometer
Prüfobjekt Uhrwerk Rohwerk + komplettierte Uhr Rohwerk (COSC) + komplettierte Uhr Rohwerk (COSC) + komplettierte Uhr
Gangtoleranz (mittlerer Tagesgang) −4/+6 s/Tag. −2/+4 s/Tag an der fertigen Uhr 0/+5 s/Tag an der fertigen Uhr. −2/+2 s/Tag an der fertigen Uhr
Prüfzeit Werk 15 Tage, fünf Lagen, drei Temperaturen (ISO 3159 / COSC). 15 Tage (identisch zu Chronometer) 15 Tage (COSC‑Teil). 15 Tage COSC‑Prüfung am Werk (ISO 3159)
Zusätzliche Uhren‑Prüfzeit Keine Fünf Tage an der fertigen Uhr Rund zehn Tage an der fertigen Uhr Interne Rolex‑Prüfung der fertigen Uhr (24‑Stunden‑Zyklus in sieben Lagen plus Rotation)
Magnetfeld‑Resistenz Nicht Bestandteil der ISO‑3159‑Prüfung Funktionssicherheit bis 200 Gauss, Gang soll erhalten bleiben. Funktionssicherheit bis 15.000 Gauss, Gang im Toleranzfenster Magnetismus wird im Rahmen der internen Tests berücksichtigt, aber kein offizieller Grenzwert wie bei METAS kommuniziert
Gangreserve‑Prüfung Nicht Teil der Norm Verifikation der vom Hersteller angegebenen Gangreserve. Verifikation der Gangreserve unter Last Prüfung der Gangreserve im Rahmen der Superlative‑Tests (Rolex garantiert modellabhängige Mindestlaufzeiten)
Wasserdichte‑Prüfung Nicht in ISO 3159 enthalten Nicht Kernpunkt des neuen Standards Druck-/Wasserdichtheitstest als Bestandteil der METAS‑Prüfungen Prüfung der Wasserdichtheit jedes Exemplars gemäß Rolex‑Spezifikation je nach Modell
Testbedingungen »Tragealltag« Statische Laborbedingungen (Lage/Temperatur), keine Simulation des Tragens. Semidynamische Tests mit Roboter, der durchschnittliches Tragen simuliert; anschließend Messung der Gangwerte Tests in verschiedenen Lagen, unter Magnetfeldern und im Gehäuse, alltagsnahe Belastungen Tests in 7 statischen Positionen plus rotierender Träger, der Alltagsbewegungen simuliert (24‑Stunden‑Zyklus)
Zertifizierungslogik Einmalige Werkzertifizierung. Erweiterung auf höhere Stufe: »Certified Chronometer« als Basis, »Excellence Chronometer« als Ergänzung Aufbauend: Erst COSC, dann METAS; Ergebnis »Master Chronometer« Aufbauend: Erst COSC, danach Rolex‑interne Superlative‑Prüfung; Ergebnis »Superlative Chronometer Officially Certified«

 

Die COSC prüft explizit nur Schweizer Werke und Uhren, welche die Herkunftsbezeichnung »Swiss Made« tragen dürfen. Auch die Genfer Stiftung Timelab prüft Chronometer innerhalb der ISO 3159-Norm, testet allerdings mit fertig eingeschalten Uhren. Daneben überwacht es auch die Erfüllung der Anforderungen des Genfer Siegels. Neben der COSC prüfen auch die Sternwarte im sächsischen Glashütte und das Observatoire im französischen Besançon als zertifizierte Prüfstellen gemäß der ISO-Norm 3159.

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