Das Laboratoire de Précision ist eine noch junge, aber strategisch bedeutende Institution in der Schweizer Präzisionslandschaft. Als offiziell unabhängige Zertifizierungsstelle verantwortet es seine eigene Messtechnik und sein Management und ist von METAS für die Durchführung der Master‑Chronometer‑Prüfungen zertifiziert.

Die Uhrwerke werden zunächst als Chronometer gemäß ISO 3159 getestet.

Die Uhrwerke werden zunächst als Chronometer gemäß ISO 3159 getestet.

METAS steht für das Eidgenössische Institut für Metrologie, also das Schweizerische Bundesinstitut für Metrologie. Es ist das nationale Metrologieinstitut der Schweiz und fungiert als staatliches Kompetenzzentrum für alle Fragen rund um Messgrößen, Messgeräte und Messverfahren. Parallel dazu ist das Laboratoire von der Schweizer Akkreditierungsstelle SAS als Prüflabor für Chronometer akkreditiert, sodass seine Resultate als belastbare Referenz für die gesamte Uhrenindustrie gelten.

Herkunft, Eigentümer und Gründungskontext

Hinter dem Laboratoire de Précision steht  Omega, das 2023 diese Einrichtung als spezialisierte Mess‑ und Prüfplattform etabliert hat. Das Labor ist gemäß ISO/IEC 17025:2017 als Messlabor akkreditiert und fügt sich nahtlos in die seit 2015 verfolgte Master-Chronometer-Strategie der Marke ein, mit der komplette Uhren statt bloß der Werke zertifiziert werden.

Das Dual Metric-Verfahren prüft die Ganggenauigkeit akustisch wie auf einer Zeitwaage.

Das Dual Metric-Verfahren prüft die Ganggenauigkeit akustisch wie auf einer Zeitwaage.

Zwei Jahre nach der Ankündigung des Laboratoire de Précision stellte Omega 2026 die Constellation Observatory Kollektion vor – die erste reine Zwei‑Zeiger‑Kollektion, deren Modelle vollständig im Laboratoire getestet und dennoch als Master Chronometer zertifiziert wurden.

Omega will mit dem »Laboratoire de Précision« eine Chronometer-Prüfung direkt in seine Werkefertigung integrieren.

Omega integriert mit dem »Laboratoire de Précision« eine Chronometer-Prüfung direkt in seine Werkefertigung.

Die Rolle Omegas ist dabei zweigeteilt: Einerseits ist die Marke Initiator und Hauptnutzer, andererseits ist das Laboratoire in seiner Funktion als Prüfstelle organisatorisch so aufgestellt, dass unabhängige, vertrauliche und für Dritte nachvollziehbare Resultate im Vordergrund stehen. Diese Struktur soll gewährleisten, dass die Messergebnisse grundsätzlich auch von der übrigen Branche zitiert und einbezogen werden können.

Aufbau und Akkreditierung

Das Laboratoire de Précision versteht sich als eigenständige Zertifizierungsstelle, wodurch die Konformität mit internationalen Normen sichergestellt wird. Besonders bemerkenswert ist die Doppelrolle: Einerseits ist das Labor von METAS für Master‑Chronometer‑Tests zertifiziert, andererseits von der SAS als Chronometer‑Prüflabor akkreditiert.

Die Prüfung als Master Chronometer dauert insgesamt 25 Tage.

Die Prüfung als Master Chronometer dauert insgesamt 25 Tage.

Damit deckt es sowohl die klassische Chronometer‑Einstufung als auch das erweiterte Master‑Chronometer‑Profil ab, das zusätzliche Alltagsbelastungen und Umwelteinflüsse berücksichtigt. Einer der wichtigsten Fortschritte des Laboratoire de Précision ist die Überwindung einer lange bestehenden Hürde: der Notwendigkeit eines Sekundenzeigers für Präzisionstests.

Das Laboratoire de Précision ist sowohl für die Chronometer- wie die Master-Chronometer-Prüfung akkreditiert.

Das Laboratoire de Précision ist sowohl für die Chronometer- wie die Master-Chronometer-Prüfung akkreditiert.

Bisher basierten die meisten Normen und Prüfverfahren auf der Beobachtung des Sekundenzeigers, was Zwei‑Zeiger‑Uhren mit reiner Stunden‑ und Minutenanzeige praktisch vom Zertifizierungsverfahren ausschloss. Mit der neuen akustischen Messmethodik wurde diese Voraussetzung obsolet. Da die Gangdaten nun direkt aus der Schwingung des Uhrwerks gewonnen werden, spielt es keine Rolle mehr, ob die Uhr optisch eine Sekundenanzeige besitzt oder nicht.

Omega hat mit dem Laboratoire de Précision nichts weniger getan, als das jahrzehntelange De‑facto‑Monopol der COSC in Frage zu stellen. Was früher fast automatisch galt – wer Chronometer sagt, meint COSC – wird nun zu einer offenen Wettbewerbssituation zwischen mehreren staatlich akkreditierten Laboren. Die COSC hat darauf bereits vorab mit der Einführung ihres Excellence Chronometers reagiert. Für Uhrenfreunde und die Branche ist dieser Bruch mit alten Gewissheiten am Ende positiv: Wenn mehrere anerkannte Institutionen um die besten Prüfverfahren und die aussagekräftigsten Zertifikate konkurrieren, steigt der Druck, Normen zu erklären, zu schärfen und transparenter zu machen.

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