Die Handgravur von Uhren und Uhrwerken ist neben der Guillochage eine selten gewordene Technik, die nur noch von wenigen Uhrenmarken gepflegt wird. Dabei begann der Mensch schon in der Steinzeit, Zeichnungen an Höhlenwänden oder Tiermotive auf Knochen zu verewigen. Auch seine Faustkeile und Waffen verzierte er bereits mit Symbolen. Eine Blütezeit erlebte die Handgravur von Waffen im späten Mittelalter des 15. Jahrhunderts mit dem Verzieren von Kriegsausrüstung und Wappen. Ein Zentrum der Waffengravur der Neuzeit war Suhl. Von hier stammen auch einige der Graveure, die heute bei A. Lange & Söhne in traditioneller Weise die Unruhkloben gravieren.

Handgravur eines Unruhklobens einer Uhr von A. Lange & Söhne

Die Handgravur des Unruhklobens hat Tradition bei A. Lange & Söhne.

Jeder Graveur im Hause Lange hat seine eigene »Handschrift«. Und so kann sich der Besitzer einer Lange-Uhr für die Gravur des Klobens bei A. Lange & Söhne auch im Nachhinein ein Zertifikat ausstellen lassen, welches vom ausführenden Graveur unterschrieben wird. Auf Kundenwunsch werden auch Gehäuseböden per Handgravur verziert.

Handgravur des Gehäusebodens einer Uhr bei A. Lange & Söhne

Handgravur des Gehäusebodens einer Uhr bei A. Lange & Söhne

Mit der Gravur des Unruhklobens und anderer Uhrwerksteile greift Lange eine alte Handwerkstradition auf und überträgt sie auf seine Armbanduhren in die Moderne. Denn bereits die hochwertigsten Taschenuhren der sogenannten 1A-Qualität von A. Lange & Söhne wurden kunstvoll mit filigranen Gravuren vollendet. Die Erstellung einer Freihandgravur braucht Zeit. Während man für einen kleinen Unruhkloben je nach Größe zwischen 45 und 90 Minuten braucht, kann die Anfertigung eines gravierten Gold- oder Platinbodens durchaus mehr als eine ganze Woche in Anspruch nehmen.

Für die Handgravur existieren zwei Techniken

Bei Lange kommen im Wesentlichen zwei Gravurtechniken zum Einsatz: der Flach- und der Reliefstich. Beim Flachstich handelt es sich um eine grafische Darstellung, während die Reliefgravur zu einer plastischen Ausprägung im Metall führt. Der Flachstich eignet sich vor allem für die Gravur von Schriften. Charakteristisch für diese Gravurart sind die feingeschwungenen Linien. Bei der Reliefgravur wird das Motiv aus dem Material herausgearbeitet, so dass es als Relief erhaben stehen bleibt.

Das Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Handwerkskunst besitzt ein Zifferblatt mit Reliefmuster und Tremblage.

Das Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Handwerkskunst besitzt ein Zifferblatt mit Reliefmuster und der sogenannten »Tremblage«.

Während beim Flachstich ausschließlich Stichel in verschiedenen Breiten benutzt werden, benötigt man für die Ausführung des Reliefstichs zusätzlich noch Meißel und Punzen. Nicht selten finden sich über 40 verschiedene Stichel am Arbeitsplatz eines Graveurs.

Werkzeuge für die Handgravur

Ein Graveur fertigt seine Handwerkszeuge selbst an.

Je nach Schnittkante oder -fläche unterscheidet man Spitzstichel, Rundstichel, Bollstichel, Facettenstichel, Fadenstichel und Flachstichel sowie einige spezielle Ausführungen. Da der Stichel fest und sicher in der Hand liegen muss, fertigt jeder Graveur sein Werkzeug selbst und passt es genau auf seine ergonomischen Bedürfnisse an.

Graveur ist ein Ausbildungsberuf

Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Graveur. Doch um es in seinem Fach zur Meisterschaft zu bringen, kommt es vor allem auf die persönlichen Voraussetzungen an. Zunächst bedarf es einer »ruhigen Hand«. Mindestens genauso wichtig sind räumliches Vorstellungsvermögen, zeichnerisches Können und eine ausgeprägte künstlerische Begabung. Denn die gestalterische Eigenständigkeit eines Graveurs schlägt sich nicht nur in der »eigenen Handschrift« nieder. Er ist auch freier Schöpfer der bei ihm in Auftrag gegebenen Werke. Gravur ist Kunst en miniature. Graviert wird deshalb fast ausschließlich unter dem Mikroskop mit zehn- bis zwölffacher Vergrößerung.

Maschinelle Verfahren

Neben der Handgravur wird auch die Maschinen- und die Lasergravur in der Uhrmacherei eingesetzt. Bei der Maschinengravur setzen computergesteuerte Fräsmaschinen das einprogrammierte Motiv um.

Diese Reliefs können vertieft oder erhaben angelegt sein. Die Lasergravur erreicht meist nur ein Aufrauen der Oberfläche, damit lassen sich schnell einfache Gravuren, meist mit personalisierenden Schriftzügen umsetzen.

Gehäuseböden der Wempe Zeitmeister mit individualisierten Lasergravuren.

Gehäuseböden der Wempe Zeitmeister mit individualisierten Lasergravuren.