Das Großdatum gehört zu den wenigen Komplikationen, die es nur an der Armbanduhr gibt. Das Großdatum zerlegt das Datum in Zehner- und Einerziffer und zeigt beide in deutlich vergrößerter Form nebeneinander – in einem gemeinsamen Fenster oder in zwei direkt angrenzenden Aperturen.

Taschenuhren der IWC Schaffhausen mit digitalen Anzeigen aus den 1880er Jahren.
Taschenuhren brauchten den Anzeigenkomplex nie: Ihr großes Zifferblatt bot dem gewöhnlichen Datumsring genug Fläche. Die zweistellige Anzeige ist eine Antwort auf die Dimensionen der Armbanduhr.
Visuelle Vorbilder gab es gleichwohl. Die Fünf-Minuten-Uhr der Semperoper zeigte ab 1841 die Zeit in Fenstern statt auf einem Zifferblatt; ihr Konstrukteur Johann Christian Friedrich Gutkaes war der Schwiegervater von Ferdinand Adolph Lange, und sie diente als Vorbild für die Ziffernarchitektur des Lange 1. Und bei IWC Schaffhausen hält sich die Erinnerung an das Pallweber-System von 1884, das Stunden und Minuten digital in Fenstern anzeigte – allerdings ohne Datum.
Die Cyclops-Linse, die Rolex 1954 dem Datumsfenster der Datejust vorsetzte und es rund zweieinhalbfach vergrößert, bleibt ein Zwischenschritt: Sie vergrößert, aber sie zeigt nicht zweistellig.

Schema des Rolex-Patentes. Die kantigen Zahlenscheiben berühren sich fast nahtlos in der Mitte. Beim Weiterschalten sorgt eine Mechanik dafür, dass die beweglich gelagerte linke Scheibe ein wenig zur Seite rückt.
Allerdings hat Rolex am 16. April 2026 ein Patent für ein zweistelliges Großdatum und nahezu ohne sichtbaren Abstand angemeldet. Die Patentschrift spricht von einem möglichen Zwischenraum von 0,05 Millimetern. Aber nicht aus jedem Patent entsteht auch ein Serienprodukt.
1994: Die Lange 1
Am 24. Oktober 1994 stellte A. Lange & Söhne in Dresden die Lange 1 vor – die erste seriell gefertigte Armbanduhr mit zweistelliger Großdatum-Anzeige. Die Konstruktion besteht aus zwei Scheiben: Über einer kreuzförmigen Scheibe mit den Werten null bis drei rotiert ein Ring mit den Einern null bis neun.
Die Mechanik zählt mehr als sechzig Einzelteile und lässt sich über einen Drücker korrigieren. Die Ziffern sind rund dreimal so groß wie bei gewöhnlichen Werken. Das einstellige Datum erscheint ohne führende Null; in Sammlerkreisen wird überliefert, diese Auflage stamme von Günter Blümlein – dokumentiert ist das nicht.
Jaeger-LeCoultre, IWC und die Rolle Günter Blümleins
Wer das Großdatum erfunden hat, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Gesichert ist nur die Umgebung: Günter Blümlein führte die Holding LMH, unter deren Dach IWC Schaffhausen und Jaeger-LeCoultre standen, ehe 1990 die Wiederbelebung von A. Lange & Söhne dazukam.
Sammlerquellen schreiben die Grundidee Jaeger-LeCoultre zu, das seine Doppel-Scheiben-Lösung patentieren ließ; andere nennen IWC Schaffhausen als zweiten Ursprung, zumal das Haus mit dem Pallweber-System über eine eigene Tradition digitaler Fensteranzeigen verfügte.

Das Handaufzugwerk des Kalibers 834 von Jaeger-LeCoultre besitzt ein Großdatum mit zwei Scheiben auf einer Ebene.
Innerhalb weniger Jahre nach dem Lange 1 brachten beide Häuser eigene Großdatum-Werke heraus – die Konstruktionen mit Zehnerscheibe und Einerring ähneln sich erkennbar. IWC Schaffhausen verknüpft ihr Großdatum ausdrücklich mit dem Pallweber-Erbe:

Der Da Vinci Ewiger Kalender von IWC Schaffhausen aus dem Jahr 2009 bot eine digitale zweistellige Anzeige von Datum und Monat.
Schon 1985 zeigte der ewige Kalender der Da Vinci das Datum digital in einem Fenster, verwandt in der Optik und doch nicht zweistellig.
Warum der Mittelsteg?
Der Mittelsteg ist keine Gestaltungsidee, sondern die Folge der Mechanik. Viele Konstruktionen drehen die beiden Scheiben nebeneinander und auf unterschiedlicher Höhe; am Übergang stoßen die Scheibenränder aufeinander und würden sichtbar werden.
Der Steg verdeckt die Naht und kaschiert den Höhenversatz. Auch übereinander liegende Systeme kommen nicht ohne Steg aus: Beim Großdatum der Lange-Uhren trennt ein schmaler Steg die beiden Anzeigeflächen für Einer- und Zehnerstelle voneinander – er übernimmt dieselbe kaschierende Aufgabe wie bei nebeneinander liegenden Scheiben.
Panoramadatum ohne Steg
Das Panoramadatum von Glashütte Original umgeht das Problem grundsätzlich. Erstmalig 1997 vorgestellt, arbeitet die Anzeige mit zwei konzentrischen Scheiben – innen die Zehner, außen die Einer – auf ein und derselben Ebene.
Es existiert kein Höhenunterschied, der optisch kaschiert werden müsste und die gestufte Passepartout-Öffnung übernimmt den Rest.
Im Senator Chronometer springt das Datum um Mitternacht, im Senator Cosmopolite läuft es auch rückwärts, wenn man die Zeit verstellt. Auf dieselbe koplanare Lösung setzt Patek Philippe: Die Cubitus Ref. 5822P-001 aus dem Jahr 2024 zeigt das Datum über zwei Scheiben auf ein und derselben Ebene.
Das Automatikkaliber 240 PS CI J LU sichert das Haus mit sechs Patenten ab; alle Anzeigen springen gleichzeitig in 18 Millisekunden. Neben dem Großdatum um zwölf Uhr zeigt die Platinuhr Wochentag und Mondphasenanzeige. Einen dritten Weg geht Girard-Perregaux und setzt dabei weniger auf einen konstruktiven als einen materialtechnischen Ansatz.

Beim Großdatum des Kalibers GP03300 von Girard-Perregaux liegen die Einerziffern auf einem transparenten Aufsatz über der Zehnerscheibe.
Beim patentierten Großdatum des Kalibers GP03300 liegt über der Zehnerscheibe ein transparenter Eineraufsatz von nur 0,10 Millimeter Stärke. Die Überlagerung bleibt optisch nahtlos, ein Mittelsteg erübrigt sich.
Wer hat sonst ein Großdatum?
Neben den beiden Glashütter Manufakturen zählen eine Reihe weiterer Häuser zur exklusiven Runde. Bei Audemars Piguet findet das zweistellige Prinzip eines Großdatums lediglich in Gestalt ihrer Spitzenkomplikation Verwendung.
Das Kaliber 1000 der Code 11.59 Universelle zeigt das Datum über ein zweischeibiges Modul um zwölf Uhr – als Baustein eines ewigen Kalenders, der ohne manuelle Korrektur bis zum Jahr 2400 rechnet. Das Werk mit 1.155 Komponenten trägt 23 Komplikationen und gewann 2023 die Aiguille d’Or beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève. Frédérique Constant erweitert seit dem Jahr 2023 mit seinem Kaliber FC-735 das Angebot.
Es bietet neben einem Großdatum eine Gangreserveanzeige sowie eine Mondphasenanzeige. Alle drei Komplikationen sowie das Einstellen der Uhrzeit und das Aufziehen werden über die Krone bei drei Uhr reguliert.
Großdatum als Modulaufsatz
Auf eine Lösung mittels eines Modulaufsatzes setzt das automatische Kaliber C.351 von Chronoswiss und ergänzt das Großdatum bei zwölf Uhr um die Anzeige der Gangreserve.
Mit Mühle Glashütte stieß 2025 ein weiterer Anbieter aus Glashütte dazu. Das Familienunternehmen hat für seine Großdatum-Modelle auf Basis Schweizer Werke ein eigenes Modul entwickelt.
Das Modul sitzt auf der Zifferblattseite des Basiswerks und soll dadurch laut Hersteller flexibel positionierbar sein. In den beiden bisherigen Modellen mit dem MU9424-GD zeigt sich das Großdatum jeweils bei sechs Uhr – dort bildet es mit der Zwölf eine klare Sichtachse.
Auch Maurice Lacroix setzt auf das Modul-Prinzip: Das Kaliber ML302 der 1975 Master Grand Date Retrograde beruht auf einem Schweizer Basiskaliber, das die Manufaktur in Saignelégier mit eigenen Modulen für Großdatum und retrograde Wochentagsanzeige erweitert.
Die Aikon Master Grand Date zeigt das Datum seit 2021 im Kaliber ML331 in zwei Öffnungen bei zehn Uhr.
Der Überblick im Kasten fasst die wichtigsten Lösungen zusammen.
Im Überblick | Marken mit Großdatum
| Marke | Beispiel | Konstruktion |
|---|---|---|
| A. Lange & Söhne | Lange 1, Saxonia Outsize Date | eigenes patentiertes Werk; Einerring über Zehnerkreuz; getrennte Anzeigeflächen mit Mittelsteg |
| Glashütte Original | Sixties Panorama Date, Senator Chronometer | Panoramadatum seit 1997; konzentrische Scheiben auf einer Ebene; ohne Mittelsteg |
| Jaeger-LeCoultre | Reverso Grande Date | patentierte Doppel-Scheiben-Konstruktion |
| IWC Schaffhausen | Portofino Hand-Wound Big Date | Werk 59230; heute nicht mehr in der Kollektion, geistiger Vorläufer ist das Pallweber-System von 1884 |
| Patek Philippe | Cubitus Ref. 5822P-001 | Kaliber 240 PS CI J LU; koplanare Scheiben; sechs Patente; gleichzeitiger Sprung in 18 Millisekunden; trägt das Patek Philippe Siegel |
| Audemars Piguet | Code 11.59 Universelle (RD#4) | Kaliber 1000; zweischeibiges Datum um zwölf Uhr; Teil eines ewigen Kalenders bis 2400; 1.155 Komponenten; Aiguille d’Or 2023 |
| Frédérique Constant | Manufacture Classic Power Reserve Big Date | Manufakturkaliber FC-735 mit Großdatum, Mondphasenanzeige und Gangreserveanzeige; alle Anzeigen über eine Krone einstellbar |
| Girard-Perregaux | Vintage 1945 XXL Large Date and Moon Phases | Kaliber GP03300; patentiertes Großdatum mit transparentem Eineraufsatz; ohne sichtbare Trennung; Mondphasenanzeige; Modelle derzeit ausverkauft |
| Chronoswiss | Sirius Big Date | Kaliber C. 351 auf Basis von ETA 2892-A2 beziehungsweise SW 300 von Sellita; Modullösung mit Gangreserveanzeige; als Heritage-Modell noch bestellbar |
| Maurice Lacroix | 1975 Master Grand Date Retrograde, Aikon Master Grand Date | Kaliber ML302 (2026) beziehungsweise ML331 (seit 2021); Module auf Basiskaliber; Großdatum um zwölf Uhr beziehungsweise bei zehn Uhr |
| Mühle-Glashütte | Sportivo Großdatum | eigenes Modul, flexibel positionierbar auf dem Zifferblatt |
| Certina | DS-1 Big Date Powermatic 80 | ETA C07.651 mit werkseitig integriertem Großdatum; Nivachron-Spirale |
| Mido | Multifort TV Big Date | ETA C07.651 mit integriertem Großdatum; aus der Powermatic 80-Werksfamilie, bei Mido als Kaliber 80 geführt |
Großdatum aus der Ebauche-Fabrik
Werksseitige Großdaten stellen mehrere Hersteller zur Verfügung – teils integriert, teils als Modul. Bei der ETA zunächst das Kaliber 2826-2, die Großdatum-Version der verbreiteten 2824-Familie mit zwei nebeneinander liegenden Fenstern. Andererseits das C07.651, die Großdatum-Variante der 80-Stunden-Automatik: Certina führt das Werk als Powermatic 80, Mido als Kaliber 80.
Es trägt das zweistellige Datum werkseitig integriert und arbeitet mit einer Nivachron-Spirale. Mido verbaut das Werk im Multifort TV Big Date, wo das Großdatum bei zwölf Uhr des 39,2 mal 40 Millimeter messenden TV-Gehäuses sitzt. Dieselbe Werksvariante verbaut Mido auch im Commander Big Date und in der Baroncelli Big Date. Certina setzt sie im DS-1 Big Date Powermatic 80 ein.
Soprod bietet zwei Aufsatzmodule für das ETA 2892-A2 an, die beide das Einzeldatum in ein Großdatum verwandeln: Das 9090 ergänzt eine Gangreserveanzeige, das TT651 eine zweite Zeitzone. TAG Heuer setzte das TT651 im Kaliber 8 seiner Grand Carrera ein. Dubois-Dépraz liefert Großdatum-Module für Werke von ETA und Sellita, häufig kombiniert mit Chronograph und Mondphasenanzeige. Damit steht die Komplikation auch Serienmarken offen, die keine eigene Entwicklung tragen wollen.
Alles Definitionssache
Eine genormte Definition gibt es nicht. In der Praxis setzen sich zwei Kriterien durch: Die Anzeige ist zweistellig, und die Ziffern sind deutlich vergrößert – üblich ist etwa die doppelte Höhe gegenüber gewöhnlichen Datumsziffern. Grauzonen bleiben. Ein vergrößertes Einzelfenster mit dem kompletten Datumsring ist Marketing, kein Großdatum. Zwei separate Fenster mit Ziffern normaler Größe sind eine Doppeldatumsanzeige.

Nomos Glashütte führt die integrierte Datumsscheibe außen um das Kaliber DUW 6101 herum. Die Anzeige wird dadurch größer, bleibt aber einstellig.
Und Nomos Glashütte, das sein Datumskaliber DUW 6101 patentieren ließ, vergrößert die Anzeige, bezeichnet sie aber korrekt als Datum und nicht als Großdatum. Im Zweifel entscheidet die Optik: zweistellig, vergrößert und eng nebeneinander.























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