Die Spechthals-Feinregulierung ist eine von Mühle-Glashütte entwickelte Feinregulierung für mechanische Uhrwerke und eine stoßsichere Weiterentwicklung der traditionellen Glashütter Schwanenhals-Feinregulierung. Sie wurde im Jahr 2003 vorgestellt und laut Hersteller patentiert. Ihren Namen verdankt sie einer Feder, deren Form an Hals und Kopf eines Spechtes erinnert.

Der überlange Rückerzeiger eines IWC-Taschenuhrwerks ist charakteristisch für das sogenannte Jones-Kaliber.

Der überlange Rückerzeiger eines IWC-Taschenuhrwerks ist charakteristisch für das sogenannte Jones-Kaliber.

Hinter jeder Feinregulierung steht dieselbe Aufgabe: Die Unruh muss so eingestellt werden, dass das Werk weder vor- noch nachgeht. Der klassische Weg führt über den Rücker, einen kleinen Zeiger, der das äußere Ende der Unruhspirale zwischen zwei Stiften festhält. Verkürzt der Uhrmacher die wirksame Spiralenlänge, schwingt die Unruh schneller; verlängert er sie, geht die Uhr langsamer.

Das Lange Kaliber L021.1 besitzt eine Feineinstellung der Hemmungssymmetrie mit einer Schwanenhalsfeder.

Das Lange Kaliber L021.1 besitzt eine Feineinstellung der Hemmungssymmetrie mit einer Schwanenhalsfeder.

Die Schwanenhals-Feinregulierung, bei der eine geschwungene Feder den Rückerzeiger seitlich gegen die Feinregulierschraube presst, zählt zu den traditionellen Kennzeichen hochwertiger Glashütter Uhrwerke und findet sich bis heute unter anderem bei A. Lange & Söhne.

Der Schwachpunkt: Erschütterung

Der konstruktive Nachteil des klassischen Systems zeigt sich im harten Alltag: Bei starker Erschütterung kann der Rückerzeiger zwischen Feinregulierschraube und Gegendruckfeder nach oben springen.

Das Kaliber 65-1 von Glashütte Original besitzt zwei Feinregulierungen, welche die Unruh getrennt voneinader verkürzen oder verlängern.

Das Kaliber 65-1 von Glashütte Original besitzt zwei Feinregulierungen, welche die Unruh getrennt voneinander verkürzen oder verlängern.

Seine Lage verändert sich, und damit unter Umständen auch die Regulierung der Uhr. Genau an dieser Stelle setzte die Entwicklung von Mühle-Glashütte an.

Die Spechthalsfeder hält alles fest

Kernstück der Spechthals-Feinregulierung ist die Spechthalsfeder. Ihr Ende greift in eine halbkreisförmige Vertiefung des Rückers ein und drückt den Zeiger dadurch nicht nur seitlich gegen die Feinregulierschraube, sondern gleichzeitig nach unten auf den Unruhkloben.

Ein Modell veranschaulicht die Vorzüge der Spechthalsfeinregulierung von Mühle-Glashütte.

Der Rücker kann sich weder verschieben noch anheben. Das System besteht aus fünf Bauteilen: Unruhkloben, Spechthalsfeder, Spechthalszeiger, Feinregulierschraube und einer Klemmschraube, die die Feinregulierschraube nach der Einstellung gegen ein nachträgliches Verdrehen fixiert. Laut Hersteller ermöglicht der eigentümliche Schwung der Feder ein besonders feinfühliges Regulieren.

Vorteile und Einordnung

Der mechanische Vorteil liegt in der Stoßsicherheit: Die eingestellte Regulierung bleibt auch unter Stößen und Vibrationen stabil. Zugleich lässt sich der Gang wie bei jeder Rückerlösung nach der Montage von außen justieren, anders als bei der freischwingenden Unruh, die einen Rücker gar nicht mehr besitzt.

Zur Spechthalsfeinregulierung von Mühle Glashütte gehört auch ein eigener Unruhkloben.

Zur Spechthalsfeinregulierung von Mühle Glashütte gehört auch ein eigener Unruhkloben.

Nach Herstellerangaben kommt die Spechthals-Feinregulierung in allen Armbanduhren von Mühle-Glashütte zum Einsatz, von den Eigenkalibern mit Glashütter Dreiviertelplatine und verschraubten Goldchatons bis zu den auf Sellita-Basis aufgebauten »Version Mühle«-Werken. Diese Werke schwingen mit vier Hertz, das entspricht 28.800 Halbschwingungen in der Stunde. Vom Schwanenhals zum Spechthals: Die Spechthals-Feinregulierung verbindet die klassische Glashütter Regulierungstradition mit einer Konstruktion für den rauen Alltag.

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