Kein Unternehmen hat die Verbindung von automobiler und uhrmacherischer Ästhetik so konsequent und so erfolgreich gedacht wie Porsche Design – und Porsche Design Timepieces ist heute der harte Beweis, dass diese Verbindung mehr ist als Marketing.
Der Gründer und sein Credo
1963 entwarf Ferdinand Alexander Porsche, genannt »Butzi«, einen Wagen für die Ewigkeit: den Porsche 911. Neun Jahre später, als die Mitglieder der Porsche-Familie das operative Geschäft des Automobilherstellers abgaben, gründete »Butzi« Porsche sein eigenes Designstudio in Stuttgart – mit dem Ziel, seine Gestaltungsprinzipien auf andere Produkte zu übertragen. »Optimiere die Funktion. Reduziere die Form gnadenlos auf das Wesentliche. Überwinde das Vertraute, um immer wieder neue, bessere Lösungen zu entdecken.« Dieses Credo, das die Philosophie des 911 auf den Punkt bringt, sollte fortan auch die Uhrengeschichte der Marke prägen. 1974 zog das Studio von Stuttgart ins österreichische Zell am See um, wo es bis heute seinen Hauptsitz hat.
1972: Der Chronograph I – die erste schwarze Uhr der Welt
Das erste Projekt des neuen Designstudios war eine Uhr – ursprünglich als Auszeichnung für verdiente Mitarbeiter der Porsche AG gedacht, zunächst lediglich 20 Exemplare pro Jahr.
Was entstand, war ein Zeitzeichen: Der Chronograph I von 1972 gilt als die erste vollständig schwarze Armbanduhr der Welt. Gehäuse, Band, Zifferblatt – alles schwarz, keinerlei Reflexionen, maximaler Kontrast. »Butzi« Porsche übertrug damit dieselbe Philosophie auf das Handgelenk, die er beim Armaturenbrett des 911 angewandt hatte: Entspiegelung durch Schwärzung, Ablesbarkeit als oberstes Gebot.
Produziert wurde der Chronograph I von der Schweizer Firma Orfina. Herzstück der frühen Modelle war das damals neue Valjoux 7750 – der Chronograph 1 gehört zu den ersten Serienmodellen weltweit, die dieses Kaliber trugen. Erst um 1974/75, als Valjoux die Produktion im Zuge der Quarzkrise zurückfuhr, wechselte Orfina zum Lemania 5100. Die Uhr wurde zum unerwarteten Kultobjekt: Mario Andretti trug sie in seinem Formel-1-Weltmeisterjahr 1978, Niki Lauda und Emerson Fittipaldi waren weitere prominente Träger.

Der bekennende Porsche-Fan Orlando Bloom ist seit 2025 Markenbotschafter für Porsche Design Timepieces.
Den endgültigen Kultstatus erlangte sie, als Regisseur Jerry Bruckheimer sie 1986 Tom Cruise für den Film Top Gun auslieh – bis heute eine der berühmtesten Filmuhren der Geschichte.

2023 legte Porsche Design das Military Modell (links) als Utility Modell in einem Gehäuse aus Titancarbid auf.
Zahlreiche Militärversionen entstanden für NATO, Bundeswehr, Schweizer Armee und die US Air Force; die seltene »Military MK II« in Mattgrün zählt heute zu den begehrtesten Sammlerstücken. Wer sehen möchte, wie dieser Geist ins 21. Jahrhundert übersetzt wurde, findet auf zehnvorzwei.de die Chronograph 1 – 1975 Limited Edition – eine werkgetreue Neuinterpretation des Originals.
IWC Schaffhausen: Die goldene Ära (1978–1997)
Ab 1978 übernahm IWC Schaffhausen die Fertigung der Porsche-Design-Uhren – und es war eine Partnerschaft zweier Visionäre auf Augenhöhe. Auf der einen Seite Ferdinand Alexander Porsche, auf der anderen Günter Blümlein, der als IWC-Chef auch die Wiedergeburt von A. Lange & Söhne und die Revitalisierung von Jaeger-LeCoultre verantwortete. Diese Ära brachte gleich mehrere Meilensteine hervor: 1978 die Kompassuhr – ein Automatikchronograph mit integriertem magnetfestem Kompass in einem PVD-geschwärzten Aluminiumgehäuse.
1980 folgte der Titan-Chronograph – die erste kommerziell erhältliche Titanarmbanduhr der Welt, mit nahtlos integriertem Band und bündig eingelassenen Chronographendrückern. 1982 kam der Ocean 2000, eine Taucheruhr, die von Kampfschwimmern der Bundesmarine getragen wurde. Die Zusammenarbeit endete 1997, als Blümlein IWC Schaffhausen gemeinsam mit Jaeger-LeCoultre und A. Lange & Söhne an die Richemont-Gruppe verkaufte. Beide Marken gingen fortan getrennte Wege – und Porsche Design stand vor der Frage, wer als nächstes die Uhren fertigen würde.
Eterna: Fertigung in Grenchen (1995–2012)
Die Antwort hatte die Porsche-Familie bereits 1995 vorbereitet: Durch die Tochtergesellschaft F.A.P. Beteiligungen GmbH erwarb sie den traditionsreichen Schweizer Uhrenhersteller Eterna – eine 1856 gegründete Manufaktur in Grenchen. Die Zusammenarbeit brachte interessante Konstruktionen hervor, darunter den P’6780 Diver mit seinem an Eternas historische Kon-Tiki-Taucheruhr angelehnten Scharniermechanismus sowie den P’6750 Worldtimer mit mechanischer Digitalanzeige für die zweite Zeitzone.
2012 starb Ferdinand Alexander Porsche. Im selben Jahr endete die Kooperation mit Eterna: Die Marke wurde an die chinesische Haidan Group verkauft. Für Porsche Design war dies der Wendepunkt – nach 42 Jahren Fertigungspartnerschaften entschloss man sich, den uhrmacherischen Weg vollständig in die eigene Hand zu nehmen.
Die eigene Manufaktur: Solothurn und die »Werk«-Kaliber
Die Porsche Design Timepieces AG wurde in Solothurn gegründet – »Designed in Austria, Swiss Made« als neues Motto. 2014 erschien die Chronotimer-Serie I, noch mit dem ETA Valjoux 7750 als Basis. 2015 folgte die Kollektion 1919 auf Sellita-Grundlage. Doch das eigentliche Ziel war das erste hauseigene Kaliber. 2017 war es so weit:

Das automatische Chronographenkaliber Werk 01.140 wird jetzt in der Manufaktur von Porsche Design im schweizerischen Grenchen gefertigt.
Das Werk 01.200 – mit integriertem Flyback-Chronographen und COSC-Zertifizierung – markierte den Beginn einer eigenen Uhrwerk-Generation. Das Werk 01 entstand in Zusammenarbeit mit Concepto auf der technischen Grundlage des ETA/Valjoux 7750. Concepto ist ein Schweizer Rohwerk-Spezialist aus La Chaux-de-Fonds. Rotor und Brücken orientieren sich am Erscheinungsbild des Porsche 911; die wesentlichen Werkteile sind mattschwarz gehalten, eine Referenz an den Chronograph I von 1972. Damit konnten erstmals fahrzeuggebundene Sonderserien realisiert werden – aktuelle Beispiele sind der Chronograph 911 GT3 und 911 GT3 Touring sowie der Chronograph 911 Spirit 70.

Der Porsche Design Chronograph 1 ist heute in Form limitierter Modelle wieder Bestandteil der Kollektion.
Mit dem Werk 01.140 und seiner Flyback-Variante Werk 01.240 folgte die Grundlage für die Renaissance des Chronograph 1. 2022 kehrte die ikonischste aller Porsche-Design-Uhren zurück – als »Chronograph 1 – 1972 Limited Edition« zum 50-jährigen Jubiläum, limitiert auf 500 Exemplare. Seitdem ist die Kollektion kräftig gewachsen: von Jubiläumsmodellen wie den zwei Chronographen zum 50. Jubiläum des 911 Turbo über den auf 1.963 Exemplare limitierten Chronograph 1 – 911 S/T bis hin zur puristischen Chronograph 1 Utility Limited Edition. Wer seine Uhr individuell gestalten möchte, nutzt den überarbeiteten Uhren-Konfigurator, der mehr als 1,5 Millionen Konfigurationen ermöglicht.
Grenchen, zweiter Akt: Der Kreis schließt sich
Im Herbst 2025 zog Porsche Design Timepieces von Solothurn nach Grenchen – in das einstige Hauptgebäude von Eterna. Ein Kreis schließt sich: Jene Adresse, an der die Porsche-Familie einst die Fertigung ihrer Uhren gebündelt hatte, ist nun dauerhafter Sitz einer eigenständigen Manufaktur. Das grundlegend sanierte Gebäude bietet Produktionsfläche, Raum für Produktentwicklung, Qualitätsmanagement,
After-Sales-Service und ein öffentlich zugängliches Ausstellungsgeschoss. »Wir sind die einzige Automobilmarke, die eine eigene Uhrenmanufaktur betreibt«, sagte CEO Stefan Buescher anlässlich der Eröffnung. Der Satz beschreibt eine konsequente Entwicklung, die 1972 mit einem schwarzen Chronographen und 20 Mitarbeitergeschenken begann – und heute in einem vollwertigen Manufakturbetrieb mündet, dessen DNA noch immer dieselbe ist wie die des Porsche 911.
TECHNISCHE SPEZIFIKATIONEN | PORSCHE DESIGN TIMEPIECES WERK-KALIBER
| Werk 01.100 | Werk 01.140 | Werk 01.200 | Werk 01.240 | |
|---|---|---|---|---|
| Einsatz | Fahrzeug-gebundene Editionen | Chronograph 1 – Linie | Fahrzeug-gebundene Editionen | Chronograph 1 – Linie |
| ⚙️ Aufzug | Automatik, bidirektional | |||
| 🔄 Frequenz | vier Hertz (28.800 Halbschwingungen/Stunde) | |||
| 🔋 Gangautonomie | 48 Stunden | |||
| 💡 Lagersteine | 25 | |||
| ⏱ Chronograph | Schaltradsteuerung, Vertikalkupplung, 1/4 Sekunde, 30-Minuten-Zähler | |||
| ↩️ Flyback | nein | nein | ja | ja |
| 📅 Tag/Datum | nein | nein | nein | ja (DE/EN) |
| ✅ Zertifizierung | von der COSC zertifiziertes Chronometer | |||












Hallo Herr Wanka,
hier haben Sie leider falsch informiert:
ihre Aussage „ Herzstück war ein modifiziertes Lemania-5100-Werk, später ersetzt durch das Valjoux 7750“ stimmt nicht. Als die Uhr 1972 auf den Markt kam gab es dann Lemania 5100 Werk noch gar nicht. Die ersten Jahre 1972-1974 war das Valjoux 7750 Werk verbaut. Das hat mir die Firma Orfina auch bestätigt, als ich meine Originale PD Uhr aus 1973 zur Revision versendet hatte.
Mit freundlichen Grüßen aus dem Harz
Jan Hartmann
Lieber Herr Hartmann,
vielen Dank für Ihre Korrektur – und vor allem dafür, dass Sie die Sache direkt bei Orfina verifiziert haben. Das ist natürlich die verlässlichste Quelle, die man sich wünschen kann.
Sie haben vollkommen recht: Die Reihenfolge im Artikel war falsch. Der Chronograph 1 kam 1972/73 mit dem Valjoux 7750 auf den Markt – er gehört sogar zu den ersten Serienmodellen überhaupt, die dieses damals brandneue Kaliber trugen. Erst im Zuge der Quarzkrise, etwa ab 1974/75, als Valjoux die 7750-Produktion drosselte, wechselte Orfina zum Lemania 5100. Ich habe den Artikel entsprechend korrigiert.
Mit freundlichen Grüßen aus Stuttgart,
Thomas Wanka